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Gentle Teaching

Wechselseitige Abhängigkeit
Es ist einen Versuch wert, sich den Begriff „wechselseitige Abhängigkeit“ einmal genauer anzuschauen. Wir denken einfach, dass wir unabhängige Individuen sind: „wir sind, wer wir sind, unabhängig von den Menschen um uns herum.“ In der Pflege wird im allgemeinen als sehr wichtig angesehen, die „Unabhängigkeit“ der Klienten zu fördern.

Es ist jedoch falsch zu glauben, dass ein Mensch sich unabhängig von anderen entwickeln kann. Ein jeder ist mehr oder weniger von anderen abhängig. Wenn wir uns dass auf einer funktionalen Ebene anschauen, dann sehen wir, dass jeder Mensch manchmal die Unterstützung von anderen braucht: als Kind von den Eltern, als Erwachsenene von Freunden, beim älter werden von den Kindern oder von Pflegern, wenn wir krank werden. Jeder braucht die Hilfe von anderen, niemand ist unabhängig.

Völlige Unabhängigkeit ist eine Fehlwahrnehmung. Man kann sich nur als Mensch in Beziehung zu anderen entwickeln, denn mit anderen verbunden zu sein ist das Wesen de Mensch seins. Wir entwickeln uns, indem wir von anderen Leuten lernen – besonders jenen, mit denen wir eine starke Verbindung haben. Die Art, wie wir uns wahrnehmen, hängt davon ab, wie wir andere sehen und wie wir glauben, dass uns die anderen sehen. Unser Selbst-Bild entsteht hauptsächlich aus Beziehungen mit anderen.
Nur in einer gleichberechtigten Beziehung wird eine Person sich als Mensch entwickeln können. Dies gilt für alle Beziehungen, einschließlich denen zwischen Pfleger und jenen, die gepflegt werden. 

Außerdem wird ein Pfleger nicht sein eigenes Gefühl der Menschlichkeit entwickeln, wenn er oder sie sich nicht wirklich auf den Klienten bezieht. Also sind sowohl Pfleger als auch derjenige, der gepflegt wird, für ihre menschliche Entwicklung voneinander abhängig. Wenn es keine wechselseitige Abhängigkeit auf der absoluten Ebene gibt, ist das unabhängig sein auf der funktionalen Ebene für den Klienten bedeutungslos: es konzentriert sich lediglich aufs Überleben  und nicht aufs Leben.

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